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2019-06-21

Bulgarien Teil 5: unter Geiern

Auch dieses Jahr versuchte ich, Geier vor die Kamera zu bekommen.
Im östlichen Rhodopengebirge, nahe den Grenzen zu Griechenland und der Türkei wird auf einer Hochebene regelmässig Aas ausgelegt. Dies gehört zu einem Schutzprogramm, um die Geierpopulation zu stabilisieren, oder gar zu erhöhen. Da hiess es an zwei folgenden Tagen um 0400 Uhr aufzustehen, um anschliessend auf einer kaum befahrbaren Piste zum Aasplatz zu gelangen. Nachdem der Ranger Fleischreste ausgelegt hatte, installierten wir uns in einem Ansitz, den wir jeweils erst gegen Abend wieder verlassen konnten.
Schon bevor die Sonne die Szenerie beleuchtete, erschien der erste Schmutzgeier, der wahrscheinlich von seinem Horst an einer Felswand der gegenüberliegenden Talseite einflog. Als dann die Sonne über der Bergkrete stand, entstand genügend Thermik für die Gänsegeier. Innerhalb etwa 30 Minuten flogen einzelne Vögel im Minutentakt heran, landeten aber vorerst etwa 100 Meter hinter unserem Tarnansitz. Als sich dann ein Gänsegeier zum Aasplatz wagte, war dies das Signal für die Artgenossen und in wenigen Minuten war die Hochebene vor uns mit etwa 70 Geiern belegt. Nun begann das grosse Fressen. Jeder wollte das beste Stück und es gab immer wieder Streitereien. Genau solche Aktionen wollten wir ablichten, was sich jedoch als knifflig erwies, denn aus einem Knäuel von Geiern konnte kein vernünftiges Bild realisiert werden. So hiess es einfach, die Kamera immer im Anschlag, die Szenerie zu beobachten, und bei geeigneten Momenten den Auslöser zu betätigen.
Die folgende Bilderserie ist zusammen gestellt aus den beiden Tagen. Am ersten Tag blieben die Geier bis etwa 11 Uhr vor Ort. Am zweiten Tage war der Aasplatz von kurz nach 9 Uhr mehr, oder weniger verlassen. Langeweile machte sich dann breit, jedoch in der Hoffnung, dass noch andere Tiere die Futterstelle besuchen werden.

Zusammengepresste Schlachtabfälle (schon mit penetrantem Aasgeruch) erregte die Aufmerksamkeit eines Gänsegeiers.




Schon bald fielen die restlichen Geier über das ausgelegte Futter her und es entstand ein wildes Durcheinander:








Um einzelne Beutestücke, die aus den Fleischballen herausgerissen wurde, gab es heftige Kämpfe:











Drohgebärde: Um zu Imponieren, breitet dieser Gänsegeier seine Flügel aus:




Nachdem alles Aas aufgefressen wurde, bleiben die Geier noch in der Umgebung der Futterstelle, um sich auszuruhen, oder das Gefieder zu pflegen:














Irgendwann verliessen die Geier den Aasplatz und einer nach dem andern flog weg.
















Neben den Gänsegeiern erscheinen auch regelmässig einige wenige Schmutzgeier. Diese sind nur unwesentlich grösser als Mäusebussarde. Für mich zählen sie zu den schönsten Geiern:










Als am ersten Tag, als die Geier die Futterstelle verlassen hatten, besuchte gegen Mittag ein Goldschakal den Ort. Goldschakale, die auch auf dem Balkan heimisch sind, verhalten sich sehr scheu und sind nur ausnahmsweise einmal zu beobachten sind. Ein Glücksfall!

Das Tier kam mehrmals zum Aasplatz, um Futterreste einzusammeln. Nach einigen Minuten erschein der Schakal dann wieder und sammelte weitere Fleisch- und Fellreste ein. Vermutlich hat das Tier die Nahrung für seine Jungen geholt.












Als Höhepunkt des zweiten Tages besuchte ein Fuchs den Geierplatz.
Da dieser das Klicken des Auslösers gehört hatte, fühlte sich das Tier gestört und flüchtete leider.
Deshalb nur ein Bild: